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Die Schönheit bewegten Wissens

Fortschritt entsteht, wenn ein tieferer Zweck den Gewinn überragt

Future of Leadership Initiative2015

Bill McDermott nahm sich Zeit, unsere Fragen zum Thema Fortschritt für die Future of Leadership Initiative zu beantworten — auf dem Rückflug in sein Büro nach Philadelphia. Was bedeutet Fortschritt für jemanden, der eines der größten Softwarehäuser der Welt verantwortet?

Fortschritt entsteht, wenn die Vorstellung eines tieferen Zwecks den Gewinn überragt, wenn man sich der Verwirklichung eines Bildes von der Zukunft verschreibt.

Ohne eine kraftvolle Vorstellung, so McDermott, gibt es keinen Fortschritt.

Wissen in Bewegung

„Fortschritt bedeutet, in Technologien zu investieren, in die Demokratisierung von Information, unseres Wissens und Lernens", sagte er. „Daraus folgt die moderne Wirtschaft des Informationsaustauschs — die Schönheit bewegten Wissens."

Digitale Technik hilft, neue Beziehungen zu schaffen und globales Verständnis anzustoßen. Die Aufgabe besteht darin, die enormen Datenmengen zu handhaben, die ständig entstehen. Die Menge verfügbarer Information verdoppelt sich in weniger als achtzehn Monaten. Anders gesagt: Alles, was in der gesamten bisherigen Zeit der Menschheit entstanden ist, verdoppelt sich in eineinhalb Jahren.

„Vor diesem Hintergrund halte ich es für Fortschritt, relevante Daten in Echtzeit auszuwählen und zu verarbeiten — Information, die vorhersagen kann, was als Nächstes wahrscheinlich geschieht, und die alles zur Hand gibt, was für kluge Entscheidungen nötig ist."

McDermott begann seine Laufbahn mit siebzehn Jahren mit einem kleinen Feinkostladen auf Long Island. Seine erste Stelle in der Technologiebranche hatte er bei Xerox. Seither arbeitet er seit mehr als drei Jahrzehnten im Softwaregeschäft — mit dem Blick konsequent auf die Kundschaft.

Sein Bild von der Zukunft

Auf die Frage nach seiner Vorstellung von Fortschritt antwortete er zuerst:

Meine Vorstellung von Fortschritt ist eine Welt voller glücklicher Menschen. Ich finde, jeder Mensch sollte Anspruch auf dieselbe Bildung haben.

Es sei sein Wunsch, alle Menschen Zugang zu Wissen und Information erhalten zu sehen. Ein Grundwert der Gesellschaft solle die Wiedergeburt der Neugier sein. Und, besonders wichtig: der Zugang zu Nahrung, Wasser und den natürlichen Ressourcen, die knapper werden. All das setze voraus, dass wir anders leben, uns anders verhalten und Technologie auf völlig neue Weise nutzen.

Die dafür nötigen Neuerungen sieht McDermott in der Kraft der Mobilität. Einerseits in den Geräten, die Menschen auch in entlegenen Regionen ins Netz bringen. Andererseits in der Fähigkeit von Menschen, sich zu verbinden, Information zu teilen und Interessen zusammenzuführen.

„Ich arbeite mit einer Frau aus Südafrika zusammen, die früher achtzig Prozent ihres Geschäftsvolumens damit verbrachte, mit dem Auto von Ort zu Ort zu fahren, um Informationen über Waren und Leistungen ihrer Zulieferer zu sammeln", erzählte er. „Mit einer einzigen mobilen Anwendung hat sie die gesamte Lieferkette automatisiert. Je mehr man Netze in solchen Gegenden ermöglicht und nützliche Werkzeuge bereitstellt, desto mehr entwickeln die Menschen ihre Neugier, und finden eigene Wege."

Was das für große Unternehmen bedeutet

Die Zeit des linearen Denkens sei vorbei. Wer Entscheidungen treffen wolle, die echten Fortschritt ermöglichen, brauche verbundenes, querlaufendes Denken — statt das Geschäft auf wenige Kennzahlen zu reduzieren.

„Die Maßstäbe für Erfolg müssen sich weiterentwickeln und verändern. Langfristige Prinzipien eines beständigen Geschäfts müssen Gewinnüberlegungen vorgehen."

Zum Schluss ein Vorschlag, der in einer stark umkämpften Branche überrascht: „Ich halte es für grundlegend, dass digitale Unternehmen zusammenarbeiten, um digitale Technologien zusammenzuführen und neue, verbundene Lösungswege zu entwickeln. Diese Netzwerkwirtschaft ist es, was mich begeistert."

Warum dieses Gespräch hier steht

Dieses Interview ist von 2015. Vieles daran wirkt heute eingelöst, manches naiv — die Netzwerkwirtschaft ist gekommen, aber nicht als Zusammenarbeit, sondern als Plattformkonzentration.

Warum es trotzdem hier steht: McDermott beschreibt Aufmerksamkeit als knappe Ressource, ein Jahrzehnt bevor der Begriff in Führungsdebatten ankam. Wenn sich Information alle achtzehn Monate verdoppelt, ist Auswahl die eigentliche Leistung, nicht Zugang. Genau das ist unsere These: Aufmerksamkeit ist hart begrenzt und permanent überflutet, und Führung ist die Kraft, die sie bündeln kann.

Der zweite Satz, der bleibt: „Die Maßstäbe für Erfolg müssen sich verändern." Zehn Jahre später steuern die meisten Häuser ihre Transformationen noch immer über dieselben Kennzahlen wie ihr Tagesgeschäft, und wundern sich, dass die Transformation verliert.

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